Bruchstückhafte Auseinandersetzung mit den Fragen des Lebens    (Claus Kiss)
 

Sonntag, 23. September 2018

Die Normalen-Anstalt?

Was ist denn eine Normalen-Anstalt?

Das Wort "Normalen-Anstalt" hat mein Sohn erfunden. Ich hab's überprüft, Google kennt das Wort noch nicht. 

Wir haben uns kürzlich gemeinsam mit Freunden darüber unterhalten, dass eventuell die Behandlung (=Normalisierung) von "Verrückten" ein Fehler ist, denn wer weiß, vermutlich verlieren wir dadurch viel Außergewöhnlichkeit und Vielfalt. Und bei dieser Unterhaltung haben wir auch über "Irren-Anstalten" gesprochen. Das hat mein Sohn dann zum Anlass genommen um zu fragen, warum es eigentlich keine "Normalen-Anstalten" gibt?

Die Gedanken zu dem Thema in unserem Gespräch hab leider ich nicht selbst geboren, sondern stammen diese aus einem wundervollen Buch von Manfred Lütz: "Irre! - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen - Eine heitere Seelenkunde". Ich hab dieses Buch sehr kurzweilig und durchaus erhellend empfunden. 

Auf alle Fälle ist dann daraus der Gedanke entstanden, die Gründung einer Normalen-Anstalt zu überlegen. Diese sollte den Hauptzweck verfolgen, Normale wieder ein wenig mehr verrückt werden zu lassen. Als ich diese noch sehr unausgegorene Idee meinem Freund und Mentor Max präsentierte, war dieser leider nicht wirklich begeistert. Er hat meine Idee mit dem durchaus wertvollen Einwand: "Normale, das sind ja genau die Menschen, die nicht verrückt sein wollen!" kritisiert und meinte noch: "Jedoch mit Zwangseinweisung könnte es funktionieren".

Da wir wohl keine Ärzte finden werden, die Menschen, die unter ihrer Normalität leiden, bzw. deren Umfeld unter deren Normalität leidet in unsere Normalen-Anstalt zwangseinweisen würden, scheint die Idee nun nicht mehr ganz so einfach zu verwirklichen zu sein.

Nichtsdestotrotz habe ich mir vorgenommen, zumindest der Idee als Gedankenexperiment eine Chance zu geben. Und somit hat es das Thema in diesen Beitrag geschafft. 

Als erstes wäre wohl zu überlegen woran erkennt man denn einen Normalen? Auch müsste man sich auch vor der Therapie fragen, besteht den überhaupt ein Krankheitsbild? D.h. leidet die Person oder das Umfeld der Person unter dieser Normalität? Wie sieht das Leidensmuster aus?

Weiters wäre sicher noch spannend, ob es verschiedene Ausprägungen der Normalität gibt? Wenn ja brauchen wir dann so etwas wie einen ICD-10 Katalog (welcher in der Fassung von 2017 727 Seiten beinhaltet) für die verschiedenen Ausprägungen von Normalität?

Was ist mit chronischen Normalen oder akuten Anfällen von Normalität?

Gibt es schon brauchbare Therapieansätze für die Normalen-Behandlung. Eine sehr brachiale Methode wäre vermutlich eine Therapie, die sich an "Asterix erobert Rom - 8. Aufgabe: Das Haus das Verrückte macht" anlehnt. Jedoch wäre dies wohl nur für die wirkliche Härtefälle ein Ansatz. Für Normale, die nur ein bisschen verrückt werden wollen bzw. sollen wäre wohl ein sanfterer Ansatz hilfreich. In Anlehnung an die Verhaltenstherapie eventuell mal ein paar Besuche am Spielplatz mit klettern, laufen und lachen, vielleicht auch mal ein Besuch auf einem Holi-Festival.

Man darf jedoch auch nicht außer Acht lassen, dass schon viele Normale mittels Selbstmedikation zumindest zeitweise in die Verrücktheit eintauchen. Leider sind jedoch die Nebenwirkung wie z.B. Fahruntüchtigkeit oder Kater am nächsten Morgen bis hin zur Abhängigkeit bei zu häufiger Anwendung oder gar Tod bei Überdosierung nicht zu vernachlässigen.

Viele dieser erst oberflächlich angerissenen Punkten weisen jedoch schon deutlich darauf hin, dass die strukturierte Betrachtung der Problemstellung der immer weiter um sich greifenden Normalität und den damit verbundenen Problemen immer wichtiger wird.

Somit seien Mitstreiter aufgefordert, der Normalität endgültig mit der notwendigen Konsequenz zu begegnen und diese für immer zu einem Randphänomen zu machen!

Sonntag, 2. September 2018

Frauen bezahlen mit Sex für Nähe,...
Männer mit Nähe für Sex?


Ich habe vor ewigen Zeiten die Aussage "Frauen bezahlen mit Sex für Nähe, Männer bezahlen mit Nähe für Sex." aufgeschnappt. Ich habe sie dann lange Zeit immer wieder postuliert. Nun denke ich erneut darüber nach und stelle mir Fragen, welche mir früher nicht in den Sinn gekommen sind.

Es gibt sicherlich viele verschiedene Haltungen zu dieser Aussage. Da kann einem z.B.  "Ja, das stimmt" oder auch "Da ist keine Liebe im Spiel" in den Sinn kommen. Und vieles mehr. Ich denke, es ist vor allem eine Chance, sich über die eigene Haltung zu dem Thema Gedanken zu machen. 

Es gab Zeiten, da hielt ich diesen Spruch für absolut wahr. Aus heutiger Sicht muss ich mir eingestehen, dass er für mich wahr gewesen ist, und das so heute nicht mehr zutrifft. Mit der Sicht, die diese Aussage kategorisch ablehnt, kann ich aber auch wenig anfangen. Denn in jeder Beziehung bestimmt nicht nur ausschließlich die Liebe das Beziehungsleben. Es ist auch immer ein Anteil von Vereinbarung und Kompromissen vorhanden, ja sogar notwendig.

Die Frage, die sich mir heute dazu stellt, ist: Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen Nähe und Sex?  

Oberflächlich betrachtet, gibt es da einen großen Unterschied auf den ich gar nicht so genau eingehen mag, denn ich bin davon überzeugt, wir nehmen ihn alle wahr. Vor allem wenn es um Nähe in nicht sexuellen Beziehungen wie Eltern-Kind Beziehungen geht, ist die Trennlinie noch klarer. Jedoch mag ich hier gerne über Beziehungen nachdenken, die sehr wohl auch sexuell ausgerichtet sind. Eventuell ist die Sachlage etwas uneindeutiger.

Aus der Geschichte und unserer Sozialisation etc. unterstellen wir meistens, dass das Bedürfnis nach Sex im Normalfall vom männlichen Part ausgeht und das Bedürfnis nach Nähe die weibliche Domäne ist. Ich bitte, hier ausdrücklich alle Menschen, die in anderen Beziehungsformen leben um Nachsicht. Ich mag hier gerne dieses einfache plakative Bild nutzen, um meine Gedanken so einfach wie möglich darzustellen.

Jedoch, was ist, wenn das Bedürfnis nach Sex nur das Bedürfnis nach Nähe wiederspiegelt? Was ist, wenn, auf das plakative Bild bezogen, der "Mann" nur nicht weiß, aufgrund seiner Sozialisierung etc., dass er ein Bedürfnis nach Nähe hat und auch nicht, wie dieses Bedürfnis gestillt werden kann?

Kann der moderne Mann lernen, wie ihn Nähe nähren kann und seine Bedürfnisse befriedigt? Was wird dann aus der Sexualität? Hat diese dann die Chance vom getrieben sein erlöst zu werden und etwas leichtes und freies zu werden. Etwas, dass man nicht braucht, sondern einfach lebt weil es Freude bereitet. 

Vielleicht irre ich mich ja auch mit meiner Vermutung, dass Sex in vielen Fällen nur ein Ersatz für Nähe ist?
Jedoch, aus eigener Erfahrung spüre ich, dass ein ausreichendes Maß an Nähe, gesehen werden und angenommen sein, den Drang nach Sex deutlich reduziert. Eine durchaus verwirrende Erfahrung für mich, mit all meiner Erziehung und Geschichte im Hintergrund. Jedoch auch ein spannendes Feld, in dem ich gerne neue Erfahrungen sammle.