Bruchstückhafte Auseinandersetzung mit den Fragen des Lebens    (Claus Kiss)
 

Sonntag, 2. September 2018

Frauen bezahlen mit Sex für Nähe,...
Männer mit Nähe für Sex?


Ich habe vor ewigen Zeiten die Aussage "Frauen bezahlen mit Sex für Nähe, Männer bezahlen mit Nähe für Sex." aufgeschnappt. Ich habe sie dann lange Zeit immer wieder postuliert. Nun denke ich erneut darüber nach und stelle mir Fragen, welche mir früher nicht in den Sinn gekommen sind.

Es gibt sicherlich viele verschiedene Haltungen zu dieser Aussage. Da kann einem z.B.  "Ja, das stimmt" oder auch "Da ist keine Liebe im Spiel" in den Sinn kommen. Und vieles mehr. Ich denke, es ist vor allem eine Chance, sich über die eigene Haltung zu dem Thema Gedanken zu machen. 

Es gab Zeiten, da hielt ich diesen Spruch für absolut wahr. Aus heutiger Sicht muss ich mir eingestehen, dass er für mich wahr gewesen ist, und das so heute nicht mehr zutrifft. Mit der Sicht, die diese Aussage kategorisch ablehnt, kann ich aber auch wenig anfangen. Denn in jeder Beziehung bestimmt nicht nur ausschließlich die Liebe das Beziehungsleben. Es ist auch immer ein Anteil von Vereinbarung und Kompromissen vorhanden, ja sogar notwendig.

Die Frage, die sich mir heute dazu stellt, ist: Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen Nähe und Sex?  

Oberflächlich betrachtet, gibt es da einen großen Unterschied auf den ich gar nicht so genau eingehen mag, denn ich bin davon überzeugt, wir nehmen ihn alle wahr. Vor allem wenn es um Nähe in nicht sexuellen Beziehungen wie Eltern-Kind Beziehungen geht, ist die Trennlinie noch klarer. Jedoch mag ich hier gerne über Beziehungen nachdenken, die sehr wohl auch sexuell ausgerichtet sind. Eventuell ist die Sachlage etwas uneindeutiger.

Aus der Geschichte und unserer Sozialisation etc. unterstellen wir meistens, dass das Bedürfnis nach Sex im Normalfall vom männlichen Part ausgeht und das Bedürfnis nach Nähe die weibliche Domäne ist. Ich bitte, hier ausdrücklich alle Menschen, die in anderen Beziehungsformen leben um Nachsicht. Ich mag hier gerne dieses einfache plakative Bild nutzen, um meine Gedanken so einfach wie möglich darzustellen.

Jedoch, was ist, wenn das Bedürfnis nach Sex nur das Bedürfnis nach Nähe wiederspiegelt? Was ist, wenn, auf das plakative Bild bezogen, der "Mann" nur nicht weiß, aufgrund seiner Sozialisierung etc., dass er ein Bedürfnis nach Nähe hat und auch nicht, wie dieses Bedürfnis gestillt werden kann?

Kann der moderne Mann lernen, wie ihn Nähe nähren kann und seine Bedürfnisse befriedigt? Was wird dann aus der Sexualität? Hat diese dann die Chance vom getrieben sein erlöst zu werden und etwas leichtes und freies zu werden. Etwas, dass man nicht braucht, sondern einfach lebt weil es Freude bereitet. 

Vielleicht irre ich mich ja auch mit meiner Vermutung, dass Sex in vielen Fällen nur ein Ersatz für Nähe ist?
Jedoch, aus eigener Erfahrung spüre ich, dass ein ausreichendes Maß an Nähe, gesehen werden und angenommen sein, den Drang nach Sex deutlich reduziert. Eine durchaus verwirrende Erfahrung für mich, mit all meiner Erziehung und Geschichte im Hintergrund. Jedoch auch ein spannendes Feld, in dem ich gerne neue Erfahrungen sammle.

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